Über die Erfindung des „Bismarck-Herings“

im 19. Jahrhundert durch den Stralsunder Kaufmann und Braumeister Johann Wiechmann.

Kaufmann Braumeister Johann Wechmann
Foto: privat

Der Stralsunder Braumeister und Kaufmann Johann Wiechmann hatte 1853 mit einem Materialhandel am Neuen Markt begonnen. Auf der einen Seite des Geschäftes gab es einen Verkaufsraum und auf der anderen Seite eine Schankstube.

Neben vielen anderen Waren wurde von der Hausfrau Karoline im Hinterhof eine Spezialität hergestellt. Der frische, entgrätete Ostseehering, und nur dieser, wurde in einem sauren Aufguss eingelegt und in Holzfässchen so zum Versand gebracht.

Nach einem Lottogewinn von 1.000 Goldmark kaufte Wiechmann das Haus Fährstraße 21, vor dem in den Freiheitskriegen Ferdinand von Schill fiel.

Er stellte den Schankbetrieb ein, baute die Fischkonservenfabrik Johann Wiechmann auf und begründete damit die Fischindustrie an der deutschen Ostseeküste. Dieses Haus war auch das erste Privathaus in Stralsund, welches elektrisches Licht bekam. Da Johann Wiechmann ein großer Verehrer von Otto von Bismarck war, schickte er diesem zu seinem Geburtstag ein solches Holzfässchen mit Heringen.

Dieser bedankte sich in einem persönlichen Schreiben bei Wiechmann. Nochmals, zur Reichsgründung im Jahr 1871, ging ein solches Fässchen an den Reichskanzler, diesmal aber mit einem Anschreiben versehen. Darin bat der Absender „untertänigst“ darum, den zubereiteten Ostseehering künftig als BISMARCK-HERING handeln zu dürfen.

Ein abermaliges Handschreiben von Otto von Bismarck brachte die Einwilligung und somit den BISMARCK-HERING in die Hansestadt Stralsund. Das Dokument hat bis 1944 über dem Schreibtisch des Enkels Hans Wiechmann im Kontor der späteren „Fischfabrik Johann Wiechmann“ Frankendamm Ecke Grünstrasse gehangen. Leider verbrannte es wie so viel Kulturgut beim Bombenangriff auf Stralsund im Oktober 1944.

Stralsund im Februar 2001

Lisa Böse, geb. Wiechmann
Urenkelin